Nachlese: Wir feiern das Gemeinschaffen in der Nachbarschaft

Am Donnerstag, 30. Juni, sind Bewohner:innen unterschiedlicher Nachbarschaften im IBA-Zentrum, im Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof, zusammengekommen. Die Veranstaltung im Rahmen der IBA_Wien 2022 Schlusspräsentation stellte den Beginn eines Austausches rund um das Thema Nachbarschaft dar. Im Zusammenspiel mit der Interviewreihe „Nachbarschaft im Dialog – Lernen vom Quartier In der Wiesen Süd“, entstanden im Rahmen der IBA_Wien, werden Themenbereiche vorgestellt, die sich in vielen Nachbarschaften finden. Sie zeigen, wie sie den Alltag der Einzelnen berühren, wo sie konflikthaft werden und wie sie bereichern.

Zu Beginn der Veranstaltung erzählt Gernot, warum realitylab diese Videos gemacht und zu dieser Veranstaltung eingeladen hat:

Vor 2 Jahren haben wir begonnen unsere Aktivitäten unter ein Generalthema zu stellen: Gemeinschaffen

Gemeinschaffen bedeutet für uns gemeinsam Ressourcen managen. Das gemeinschaftliche Nutzen, aber auch Pflegen, Entwickeln und Verwalten von Ressourcen durch eine Gemeinschaft.

Wir haben das bei den Baugruppen in den letzten 12 Jahren gemacht. Die gemeinschaftlich genutzt Ressource ist in diesem Fall das Haus. Dabei haben wir die Beobachtung gemacht, dass es nicht nur ums Wohnen geht, sondern auch um andere gemeinschaftlich genutzte Ressourcen.

Zudem ermöglicht der Begriff auch ein Andocken an einen internationalen Diskurs rund um Commons: Silke Helfrich, Peter Linebaugh, Mary Dellenbaugh,…

Letztlich glauben wir, dass Gemeinschaffen als das gemeinschaftliche Sorgetragen und Teilen von Ressourcen auch ein der effizientesten Beiträge zur Klimawende ist, die noch dazu auch sehr rasch klimawirksam ist. Ein Ding (Fahrzeug, Werkzeug, Raum, …) muss nur einmal erzeugt werden, kann aber von Vielen genutzt werden, die eingesetzten Rohstoffe und Energie werden also sehr effizient eingesetzt.

Daher haben wir die Plattform gemeinschaffen.com geschaffen als Marktplatz, auf dem nicht nur eigene Projekte sichtbar werden, sondern auch andere verwandte Projekte. Einen Ort und Gelegenheiten schaffen um gemeinsam zu lernen, z.B. im Blog und auch bei Veranstaltungen wie dieser.

Wir begleiten viele Projekte – nicht nur Baugruppen sondern auch im Bereich der Sozialen Nachhaltigkeit und bekommen immer wieder ähnliche Fragestellungen:
– Was tun bei Konflikten?
– Wie können wir Mitbewohner:innen motivieren sich an der Hausgemeinschaft zu beteiligen?
– Wie können wir für ein gutes Miteinander zwischen den Bewohner:innen und der Hausverwaltung sorgen?

Wir haben zu diesen Fragenstellungen in den letzten 12 Jahren viel gelernt und möchten unser Wissen auf gemeinschaffen.com teilen und dabei auch Synergien zwischen den Bereichen Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung teilen. Vieles ist ähnlich, vor allem in organisatorischer Hinsicht. Wenn es ums Teilen von Wissen und Erfahrungen geht, stehen natürlich die Nutzer:innen/ die Bewohner:innen im Mittelpunkt. Es lernt sich leichter peer to peer, also von anderen Menschen, die ähnliche Probleme haben.

Daher haben wir uns gesagt: warum lassen wir nicht unsere Bewohner:innen sprechen und dokumentieren ihre Antworten. Das entstandene Material wird uns bei allen laufenden und zukünftigen Projekten nützlich sein. Wir können es in unsere Prozesse und Workshops einbinden…wie dieses heute Abend. Wir möchten heute Abend also nicht nur unsere Videodokumentation präsentieren, sondern auch zeigen wie wir mit dem Medium Video umgehen und wie wir es in unsere zukünftige Arbeit bei realitylab einbauen wollen. Die Produktion von Videos und Dokumentationen wird also kein Einzelfall bleiben, sondern auch weiterhin einen wichtigen Platz in unserem Werkzeugkoffer einnehmen. Mit Roland Thurner (Videoproduktion Seestadt) haben wir dafür den perfekten Partner gefunden.

Da einige unserer Projekt IBA-Kandidaten und dann auch IBA-Projekte geworden sind, haben wir der IBA den Vorschlag gemacht und sind auf großes Interesse gestoßen – vielen Dank dafür!

Gernot Tscherteu

In einer Ankommensrunde hatten die Teilnehmer:innen Gelegenheit sich vorzustellen und zu zeigen, wo und wie sie sich engagieren. Zusammenfassend: es wird sich engagiert in…

  • Baugruppen,
  • Initiative für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen,
  • FoodCoop,
  • Prozessen der Stadtentwicklung,
  • Wissenschaft/ Forschung,

Nach der Vorstellungsrunde wird das Video „Lernen für Nachbarschaften“ der Interviewreihe gezeigt:

Nachfolgend diskutierten wir, was aus bisherigen Erfahrungen für Nachbarschaften gelernt werden kann und welche Potentiale Nachbarschaften haben.

Die Quintessenz der Diskussion:

  • In den letzten 10 Jahren ist viel in der Entwicklung von Nachbarschaften weitergegangen: bauplatzübergreifende Nutzung von Gemeinschaftsräumen, digitale Buchungssysteme von geteilten Ressourcen, …
  • Vor der Begleitung ist nach der Begleitung – wie bleibt die Aktivität der Bewohner:innen nach der sozialen Prozessbegleitung lebendig? In der Praxis schlafen nachbarschaftliche Aktivitäten mit der Zeit ein und sollten immer wieder zum Leben erweckt werden. Von wem? Von der Hausverwaltung oder Expert:innen für soziale Nachhaltigkeit?
  • Die Rolle der Hausverwaltung ist zentral. Prozesse gelingen viel besser, wenn die Hausverwaltung aktiv und wohlwollend mitmacht.

Die Diskussion wurde zum Abschluss ins Feiern übertragen – wir haben uns bei Bier und einem Imbiss weiter kennengelernt und ausgetauscht.

Die Interviewreihe „Nachbarschaft im Dialog – Lernen vom Quartier In der Wiesen Süd“ ist noch bis zum 18. November 2022 in der IBA_Wien 2022 Schlusspräsentation in der Nordwestbahnstraße 16, 1200 Wien oder hier online zu sehen.

Hier die nächste Veranstaltung von realitlyab im Rahmen der IBA_Wien 2022:

Hauswirtschaften im nachhaltigen Grätzl – Genossenschaft als Quartiersentwicklerin
Ein Workshop

Jetzt anmelden!
Wann? Donnerstag, 13. Oktober, 18:30-20:30 Uhr
Wo? Straßenbahnlinie O, Station „Bruno-Marek-Allee“, NordbahnSaal, Bruno-Marek-Allee 5, 1020 Wien
>> erfahren Sie hier mehr

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