Nachhaltige Transformationen für den städtischen Raum mit den Schwerpunkten Sanierung, Energie und sozialer Wandel. Unsere Forschungsaktivitäten haben in den letzten fünf Jahren stark zugenommen und nehmen mittlerweile eine zentrale Rolle im Schaffen von realitylab ein.
Nachhaltige Transformationen für den städtischen Raum mit den Schwerpunkten Sanierung, Energie und sozialer Wandel. Unsere Forschungsaktivitäten haben in den letzten fünf Jahren stark zugenommen und nehmen mittlerweile eine zentrale Rolle im Schaffen von realitylab ein. Die Daten stammen von der FFG Datenbank. Projekte vor 2018 werden nicht angezeigt. (hier kannst du den Netzwerkexplorer im Vollbilmodus öffnen)
Transformationen könnte als gemeinsame Überschrift über all unseren Projekten stehen.
Alle unsere Forschungsprojekte befassen sich mit Transformationen des städtischen Raums. Im Mittelpunkt steht die gebaute Umwelt, die ein Ergebnis unserer Gesellschaft ist, und gleichzeitig gesellschaftliches Leben ermöglicht und angesichts wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Herausforderungen kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Es geht um den Umbau unserer Gesellschaft und ihrer Infrastrukturen während, der Betrieb weiterlaufen muss. Es geht insbesondere um unseren in die Jahre gekommenen Gebäudebestand, den wir in die Gegenwart holen und fit für die Zukunft machen wollen. Wir stellen uns die Frage: Mit welchen Gebäuden und Infrastrukturen wollen wir die Gesellschaft der nächsten Jahrzehnte – oder gar des nächsten Jahrhunderts – gestalten? In unseren Forschungsprojekten gehen wir dieser Frage aus sozialen, finanziellen, technischen und rechtlichen Perspektiven nach.
Forschung 2023 bis 2025 ein Erfahrungsbericht
Die Verflochtenheit von gebauter und sozialer Umwelt
Eine zentrale Erfahrung, die sich wie ein roter Faden durch all unsere Projekte zieht, ist die enge Verflechtung von gebauter und sozialer Umwelt. Wer Stadt baut, baut immer auch Gesellschaft und gestaltet damit unser Zusammenleben und unsere Beziehungen. Da wir in den letzten 15 Jahren stark im Kontext des geförderten Wohnbaus in Wien gewachsen sind, ist uns diese Wechselwirkung besonders vertraut.
Wir sind stolz darauf, einen Beitrag zum Wiener Wohnbau leisten zu dürfen: mit über 20 Projekten im geförderten Wohnbau, die wir im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit begleitet haben, sowie mit 12 Baugruppenprojekten, von denen zwei mit dem New European Bauhaus Preis ausgezeichnet wurden – zuletzt die Hauswirtschaft, die aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt hervorgegangen ist. Durch die Mitgliedschaft von Gernot Tscherteu im Grundstücksbeirat des Wohnfonds der Stadt Wien ist unsere Verbundenheit mit dem sozialen Wohnbau Wiens weiter vertieft worden
Internationale Partner:innen fragen uns häufig, ob wir sie beim Aufbau ähnlicher Wohnbaustrukturen in ihren Ländern unterstützen könnten. Zugleich sehen wir Bereiche, etwa die genossenschaftliche Wärmeversorgung in Dänemark, in denen wir viel von anderen Ländern lernen können, um vergleichbare Entwicklungen in Österreich anzustoßen.
Technik muss bei den Menschen ankommen
Die technischen Lösungen zur deutlichen Reduktion von CO₂-Emissionen im Wohnungsbau, in der Mobilität sowie in der Strom- und Wärmeversorgung sind größtenteils bereits vorhanden. Dennoch bestehen nach wie vor erhebliche Hindernisse:
Diese liegen einerseits im organisatorischen und institutionellen Rahmen – sowohl in Gebietskörperschaften als auch in Unternehmen – etwa in Form nicht mehr zeitgemäßer Gesetze und Normen, falscher Förderanreize oder überholter Verwaltungsstrukturen. Häufig bleibt unklar, wer die Initiative ergreifen soll, wie Prozesse aufzusetzen und zu steuern sind, und nicht selten scheitert es letztlich an der Finanzierung, selbst wenn ein Projekt wirtschaftlich sinnvoll wäre.
Andererseits liegen die Hürden auch in den Haltungen und Einstellungen von uns Menschen selbst. Wir halten gerne am Bekannten fest und scheuen die Mühen und Kosten, die mit Veränderungen einhergehen – selbst dann, wenn diese langfristig ökologische und persönliche Vorteile bringen. Angesichts multipler Krisen ist diese Zurückhaltung gegenüber Veränderung wenig überraschend.
Unsere Arbeit mit den unterschiedlichen Akteur:innen besteht daher häufig darin, die Vor- und Nachteile von Transformationen verständlich zu vermitteln, Ängste abzubauen sowie Anknüpfungspunkte, Schnittstellen und Strukturen zu schaffen. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, sich aktiv in Transformationsprozesse einzubringen und diese mitzugestalten. Nur wenn es gelingt, Verständnis zu erzeugen – und darüber hinaus zur aktiven Teilnahme zu motivieren –, kann sozial-ökologischer Wandel gelingen. Vieles, was wir im Wiener Wohnbau im Bereich sozialer Nachhaltigkeit, insbesondere mit Baugruppen, gelernt haben, lässt sich heute in adaptierter Form auf Sanierung und Wärmewende übertragen
Hier stehen wir – unser State-of-the-Art
Wir entwickeln Werkzeuge, Prozesse und Strukturen für eine gerechte und ökologisch nachhaltige Transformation unserer städtischen Räume. Aus der Erfahrung unserer bisherigen Projekte lassen sich zwei zentrale Entwicklungsachsen identifizieren::
Information und Bewusstseinsbildung
Ziel ist es, Menschen zu motivieren, sich auf Veränderungen einzulassen und aktiv daran teilzunehmen. Diese Aktivitäten erfolgen sowohl vorbereitend als auch begleitend zu Sanierungs- und Dekarbonisierungsmaßnahmen, um die Akzeptanz bei Bewohner:innen zu erhöhen. Die Zustimmung zum Heizungstausch ist etwa Voraussetzung für verbesserte Förderungen. Deshalb informieren und begleiten wir mit einem Mix aus analogen und digitalen Formaten – etwa Veranstaltungen, Websites und Social Media. In den letzten drei Jahren haben wir entsprechende Formate sowie eine eigene visuelle Kommunikation aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt. Siehe Wärmewende.jetzt: Bewohner:innenbegleitung und Akzeptanzsicherung
kooperative Sanierung und Wärmewende
Transformation verstehen wir als gemeinsames Projekt, das zur aktiven Teilnahme einlädt und inklusive Organisationsstrukturen benötigt. Eine der größten Herausforderungen liegt dabei in der Finanzierung. Aus dem sozialen Wohnbau und aus Baugruppenprojekten wissen wir, dass durch Commons und Vergemeinschaftung – also durch das Poolen finanzieller Ressourcen ebenso wie von Wissen und Eigenleistung – große Wirkung erzielt werden kann. Historische Beispiele wie die Siedlerbewegung oder der genossenschaftliche Wohnbau der 1920er-Jahre zeigen eindrucksvoll die Kraft des Gemeinsamen. Diese Erfahrungen verbinden wir mit Learnings aus anderen europäischen Ländern, um neue Modelle für Sanierung und Dekarbonisierung des urbanen Bestands zu entwickeln. Wie zu Beginn der Ersten Republik sehen wir auch heute den Schlüssel zur Veränderung darin, Menschen aus passiver Konsumhaltung zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebenswelt aktiv mitzugestalten. siehe Zinshaus x Baugruppe und Finanzierungskonzepte und Organisationsmodelle
Bewusstseinsbildung
Bewusstseinsbildung und kooperative Organisationsentwicklung gehen Hand in Hand – das eine geht ohne das andere nicht: Bei unseren Baugruppenprojekten haben wir gelernt, dass sich gemeinsam mit dem Aufbau von Organisationsstrukturen auch das Mindset der Beteiligten ändert. Manche gehen sogar so weit, dass sie die Teilnahme an einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt als Persönlichkeitsentwicklung wahrnehmen. Nach einem dreijährigen Entwicklungszyklus haben wir gemeinsam mit anderen Forschungspartner:innen, allen voran e7 und reenag, wichtige Ergebnisse in Form von Organisationsstrukturen, Kommunikationsformaten und sozialen Prozessen erarbeitet, die wir hier dokumentiert haben und Bauträgern, ihren Verwaltungen, aber auch Hausgemeinschaften und -Eigentümer:innen anbieten wollen:
- Wärmewende.jetzt – Gemeinsam für eine klimafreundliche Wärmeversorgung und ganzheitliche Sanierung
- Zinshaus x Baugruppe – kooperative Sanierungsmodelle für den Bestand aus der Gründerzeit
- Gemeinschaffen – Sammlung von kooperativen Projekten und Wissen rund um Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung
- Commoning ist die englische Version von Gemeinschaffen.com
Ausblick: die nächsten 3 Jahre Forschung bei realitylab
In den kommenden 3 Jahren wollen wir unseren bisherigen Entwicklungsweg konsequent fortsetzen und dabei folgende thematischen Schwerpunkte setzen:
Nachhaltige Stadtentwicklung mit Fokus auf Wohnen, Energie und Mobilität
Leistbares und hochwertiges Wohnen stand – zumindest in Wien – immer im Zentrum urbaner Entwicklung. In den letzten Jahrzehnten rückten zusätzlich Mobilität und nachhaltige Energieversorgung in den Fokus. Konzepte wie Positive Energy Districts (PEDs), innovative Sanierungsmodelle und Energiegemeinschaften setzen hier wichtige Impulse. Künftige Projekte sollen – wie bisher – gemeinschaftliche, partizipative Lösungsansätze sowie passende Geschäfts- und Organisationsmodelle in den Mittelpunkt stellen.
Ziele: bessere Kommunikationsformate, mehr Mitbestimmung, stärkere Teilhabe der Nutzer:innen, höhere Akzeptanz und damit möglichst konfliktfreie und effiziente Umsetzung von Transformationen im Bestand.
Resiliente Quartiere durch sozial-intelligente Infrastrukturen
Dem Quartier kommt in der nachhaltigen Stadtentwicklung eine besondere Bedeutung zu. Aus Quartiersmanagements wie „Wiesen Süd“ oder „Erlaaer Flur“ haben wir wertvolle Erfahrungen gewonnen, auf denen zukünftige Projekte aufbauen können. Im Zentrum steht die gemeinschaftliche Entwicklung robuster, sozial-intelligenter Infrastrukturen, die Bewohner:innen, Bauträger, Vereine, soziale Träger, zivilgesellschaftliche Akteur:innen und die Stadt einbeziehen.
Ziele: Steigerung von Lebensqualität und sozialem Zusammenhalt durch Strukturen, die Kommunikation und Austausch fördern. Unter sozial-intelligenten Infrastrukturen verstehen wir Methoden, Formate sowie analoge und digitale Werkzeuge – inklusive Apps und KI (Agenten) –, die Selbstorganisation sowie das Teilen von Ressourcen wie Gemeinschaftsräumen, Fahrzeugen, Energie, Werkzeugen, Lebensmitteln und nachbarschaftlichen Dienstleistungen im Sinne einer lokalen Kreislaufwirtschaft unterstützen. Diese Infrastrukturen sollen helfen, zukünftige Krisen gemeinsam besser zu bewältigen – sowohl im Neubau als auch im Bestand.
Transformation gemeinschaftlich finanzieren
Viele Transformationen scheitern an der Finanzierung. Häufig sind hohe Anfangsinvestitionen notwendig, um langfristig niedrige Betriebskosten, geringe CO₂-Emissionen und sozialen Nutzen zu erzielen. Der genossenschaftliche Wohnbau zeigt, dass gemeinsames Handeln ermöglicht, was Einzelnen verwehrt bleibt. Ähnliche Modelle kennen wir aus Baugruppen, etwa in Form von Vermögenspools.
Ziele: Entwicklung vergleichbarer Finanzierungsinstrumente für Sanierungs- und Dekarbonisierungsprojekte, etwa für die gemeinschaftliche Sanierung von Zinshäusern oder für Energiegenossenschaften zur Errichtung gemeinschaftlicher Anergie-Infrastrukturen in Quartieren ohne Fernwärmeanschluss.
Diskurs und Plattformen für Transformation schaffen
Der Wandel braucht breite Beteiligung. Deshalb werden wir weiterhin Plattformen für Austausch, gemeinsames Lernen und gesellschaftlichen Diskurs schaffen. Initiativen wie „Verwaltung der Zukunft“ und „Wärmewende.jetzt“sowie unsere Wissens- und Projektdatenbanken gemeinschaffen.com und commoning.net bilden dafür eine wichtige Basis.
Ziel: Aufbau nationaler und europäischer Diskurs- und Vernetzungsformate zur Förderung der sozial-ökologischen Transformation – in enger Kooperation mit Partner:innen in Österreich und Europa.
Geplante Projekteinreichungen:
Geplant sind Projekteinreichungen u. a. in den Programmen Technologien für die klimaneutrale Stadt, Leuchttürme der Wärmewende, PEDs (Driving Urban Transition) sowie bei Horizon Europe, insbesondere im Kontext des New European Bauhaus.
Einladung zur Zusammenarbeit!
Wir laden Sie / Dich / Euch herzlich ein, gemeinsam mit uns Projekte innerhalb dieser Schwerpunkte zu entwickeln. Die Einladung richtet sich insbesondere an (gemeinnützige) Bauträger, Hausverwaltungen, private Eigentümer:innen sowie an Gemeinschaften, die gemeinsam bauen, sanieren, mobil werden oder ihre Energieversorgung dekarbonisieren möchten. Ein gemeinsames Forschungsprojekt kann dazu beitragen, Aufwände und Leistungen zu finanzieren und zu fördern – Voraussetzung ist ein innovativer Ansatz. Genau darum geht es: um innovative Transformationen für eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Stadt.
Wir verstehen dies nicht nur als Beitrag zur Entwicklung Wiens und Österreichs, sondern auch als Beitrag zur europäischen Selbstbehauptung in einer Welt im Umbruch. Transformation durch Gemeinschaft und Gemeinschaffen sehen wir als eine zentrale europäische Antwort auf aktuelle globale, autoritäre Tendenzen. Macht mit!
Herzlichen Dank an unsere Fördergeber:innen:
